Piet´s Erfahrungsbericht

Heute ist es soweit – …

… die zehn Monate meines Austauschjahres in Amerika sind vorüber. Ich stehe am Flughafen und um mich herum viele Menschen, die fröhlich sind (oder nur so tun??) und auch ich tue fröhlich. Ich verstehe das nicht, ich habe hier gelebt, gut gelebt, ich möchte hierbleiben! Aber es war so geplant, das Visum ist abgelaufen und damit auch meine Zeit.
Was ich möchte und fühle spielt keine Rolle, der Plan ist in dem Moment in dem ich in das Flugzeug steige – folgsam und total durcheinander – erfüllt. Das war der Plan, aber was kommt jetzt??
Ich wusste damals dass die zehn Monate die besten meines Lebens bis dahin waren. Ich war so naiv zu glauben, dass ich nur kurz nach Deutschland zurückkomme um ein neues Visum zu bekommen und dann zurück in mein Leben und zu Susan, meiner Freundin, fliege…

Ich bin immer noch hier, habe « mein Leben » (und Susan…) bis heute noch nicht wirklich wiedergefunden – ich habe es in Amerika gelassen.
Dieser Moment der Hilflosigkeit, mich « dem Plan » kampflos hingeben zu müssen, hat mich verändert. Seitdem glaubte ich aus eigener Kraft nicht tun zu können was ich mir wünsche. Ich habe versucht, daß was ich mir wünsche irgendwo zu finden – was ich nie geschafft habe, denn was ich mir wünsche existiert ausschließlich in mir selbst.
Irgendwann habe ich mich aufgegeben und meine Wünsche dem was ich gefunden habe angepasst.
Jeden Tag aufs Neue wusste und spürte ich genau, dass ich etwas anderes wollte. Aber ich hatte doch erfahren, dass ich « den Plan » nicht ändern konnte. Ich habe immer wieder versucht mir das zu wünschen was ich hatte/habe, doch gegen meine Wünsche oder TRÄUME kam ich nicht an.
Mit « Freunden » zu feiern und zu saufen half mir, nicht an das zu denken was nur in mir selbst zu finden war, was ich aber nicht wagte auszusprechen, aus Angst erneut enttäuscht zu werden.
Stoned Videos gucken war auch eine prima Ablenkung – ach, überhaupt stoned zu sein war besser als die Schreie in meinem Inneren, die etwas von mir wollten was ich sowieso nicht schaffen würde (dachte ich).
Ich werde nie meine erste Technoparty mit meiner ersten Pille vergessen (eine Krone)… Die Schreie waren weg, nur die Musik und ich waren noch da – ok, viel Bier und ein paar Joints waren auch noch da.

So ging es dann ein paar Jahre weiter. Ich wurde jeden Tag von mir selbst angeschrien, doch ich wusste ja wie ich die Schreie für ein paar Stunden stillbekam.
Ach ja, « den Plan » hab ich übrigens vollendet. Denn als ich in Deutschland ankam, hatten schon wieder andere Menschen für mich einen Plan gemacht. Den fand ich auch Scheiße, aber wenn ich den ersten schon nicht ändern durfte oder konnte wollte ich es bei diesem gar nicht erst versuchen. Naja, also Abitur machen, Zivildienst und dann studieren.
Immerhin habe ich es geschafft den Zeit »plan » ein wenig durcheinander zu bringen indem ich die 12te wiederholt habe.

Endlich hatte ich dann den Zivildienst hinter mir und war an der Universität Bremen als « ordentlicher Student » eingeschrieben (lächerlich, wenn ich etwas war zu der Zeit, dann auf jeden Fall nicht ordentlich), und noch drei Monate frei bis zum Studienbeginn.
Freizeit ist gar nicht gut wenn ich ständig vor meinem Inneren, vor dem was mich eigentlich ausmacht davonlaufe.
Auf die Dauer wird das ganz schön teuer – Bier, Hasch, Pillen, Speed, Koks und natürlich die Parties, wird ja sonst langweilig.

Immer öfter hab ich mich gefragt wo bleibe ich da eigentlich? Wer oder was bin ich denn eigentlich?? Was wollen diese Scheiß-Stimmen denn eigentlich von mir??? Und wo will ich denn eigentlich mal hin????
Ich wusste es nicht, aber eines wusste ich ganz genau. Das was ich jeden Tag getan habe wollte ich eigentlich gar nicht tun, und das was ich eigentlich wollte (auch wenn ich noch nicht wusste was das war) hab ich ganz sicher nicht getan. Ich fand das damals ganz schön verwirrend, zumal ich ja noch gar nicht wusste was ich eigentlich wollte, aber wie ich heute weiß, steht das sogar schon in der Bibel (Römer 7, Verse 18-25), also bin ich nicht der einzige Mensch dem es so geht.
Gut, immerhin wusste ich ganz genau was ich nicht wollte: Drogen nehmen und hilflos und ziellos durchs Leben gehen; immer wieder dass was mich ausmacht unterdrücken. Ich wollte mir endlich nicht mehr das wünschen was ich hatte, sondern das tun was ich mir wünsche. Lange genug hatte ich mich damit selbst beschissen!

Damit wusste ich aber noch lange nicht, wie ich das anstellen sollte. Zum Nachdenken oder Hören auf meine innere Stimme, oder auf Gott bin ich auch kaum gekommen, ich war ja so sehr damit beschäftigt und daran gewöhnt, das alles zu unterdrücken, damit ich gar nicht merke dass ich eigentlich unzufrieden war.

Da kam mir dann zum ersten Mal der Gedanke an eine Therapie. EineTherapie hätte es eigentlich glaube ich gar nicht sein müssen, denn ich wusste ja genau was ich nicht wollte. Aber ich musste erstmal raus aus Bremen, damit ich endlich anfangen konnte darüber nachzudenken wie es für mich weitergehen soll. Endlich wollte ich mal selbst « einen Plan » für mein Leben machen.
Also ab nach Fehmarn – damit hab’ ich dann natürlich « den Plan », den andere für mich hatten komplett durchkreuzt, aber das war gut so wie ich heute weiß. Früher hatte ich nur Kumpels denen es genauso ging wie mir, echte Freundschaft konnte da nicht entstehen, jeder von uns hatte mehr als genug mit sich selbst und seinen eigenen Problemen zu tun. Wir haben alle nur versucht irgendwie klarzukommen und das Beste aus dem zu machen was wir vorgefunden haben. Aber uns darüber klarzuwerden was wir eigentlich wollen und dann auch noch dafür zu kämpfen? Das hat irgendwie keiner geschafft. Klar, es ist echt erstmal ein großes Ding eine Therapie zu organisieren, aber wenn ihr irgendetwas richtig wollt, wer soll euch dann davon abhalten?? Von Heute auf Morgen geht das nicht, aber die Zeit, dass zu tun was wir wollen haben wir doch, oder?!

Ich kann nicht sagen, dass ich mittlerweile genau weiß was ich mit meinem Leben anfangen will, aber wenigstens tue ich nicht mehr jeden Tag das was ich eigentlich nicht tun wollte.
Klar hab ich immer noch Probleme, und ein sorgenfreies Leben werde ich nie finden und leben können, aber wenigstens weiß ich mittlerweile wofür ich das tue. Damit habe ich endlich einen Sinn für mein Dasein gefunden.

Wenn euch meine Geschichte interessiert, lasst es mich wissen. Wir können uns aufn Kaffee treffen und über mein Leben oder euer Leben schnacken. Noch mehr zu schreiben würde euch nur langweilen, aber ich erzähle euch gerne wie’s mir ergangen ist, und wie’s mir jetzt geht.

piet@party-project.de